Mittwoch, 5. September 2012

Tag 1 bis Tag 6

Tag 01, Freitag-31.08.2012


Nach langem Warten geht die Reise heute endlich los.
Eigentlicher Reisestart sollte schon 4 Tage früher sein, aber eine kaputtreparierte Felgenbremse verögert den Start.
Der Fahrradladen vertröstet mich Tag für Tag, das benötigte Ersatzteil will einfach nicht ankommen. Gestern dann endlich die Erlösung,
Ersatzteil da, Fahrrad repariert. Der Rest geht dann schnell, Sachen ans Rad geschnallt, die mir schon seid Tagen im Weg stehen, der Kühlschrank ist sowieso schon seit 4 Tagen geräumt.
In der Firma bringe ich dann früh noch schnell den bisher versäumten Urlaubskuchen vorbei, damit nicht noch mehr schiefgeht, und dann bin ich endlich unterwegs.
Die ersten km bis Jena laufen wie ein Länderspiel. Die Abfahrt nach Jena durch den Wald ist genau mein Ding.
Ab Kahla werden die Beine dann langsam schwer. Den Abstecher auf die Leuchtenburg werde ich mir wohl sparen.
Das Schwarzatal ist auch nicht mehr das was es mal war. Hier fährt man eingeengt zwischen 2 Maschendrahrzäunen (links Papierfabrik, rechts ICE Trasse) durchs doch so schöne Schwarzatal.
Wenigstens verfahren kann man sich so nicht.
Mit übersäuerten Beinen komme ich dann endlich in Saalfeld auf dem Campingplatz an. Ab Kahla war es dann doch noch eine ganz schöne Berg- und Talfahrt, nix mit schön unten an der Saale
langfahren. Aber mit 85 km am ersten Tag und relativ untrainiert bin ich erstmal zufrieden.
Der Campingplatz liegt direkt an der Saale. Außer mir ist hier hier nur noch eine Jugendgruppe, die mir auch gleich beim Zeltaufbau beistehen.


Tag 02, Samstag-01.09.2012


Der nächste Morgen geht gut los. Direkt hinter meinem Zelt grast ein Fischotter, der alles andere als menschenscheu ist.
Echt putzig das Tierchen.
Aufs Fahrrad zu steigen fällt mir heute schon deutlich schwerer, die Beine sind noch übersäuert von gestern. So beschließe ich heute nur eine "verkürzte Tour
bis Hohenwarte zu machen. Was für ein Fehlschluß. Ab jetzt geht es nur noch hoch und runter und das auch noch auf großteils schlechten Feldwegen.
Nach 45 km komme ich heute auf dem Campingplatz Linkenmühle am Hohenwarte Stausee an. Die letzten 5km gingen mit 8-10% Gefälle nur bergab, das hab ich auch gebraucht.
Der Campingplatz liegt ideal direkt am Stausee. Zum Abendbrot wartet dann der nächste Marathon auf mich. In der Kneipe am Zeltplatz habe ich eine Schnitzeltrilogie bestellt.
Mir gehen die Augen über was da für ein Teller mit 3 Schnitzeln und Pommesbergen auf mich zukommt. Irgendwie schaffe ich es das alles bis zum letzten Salatblatt zu vertilgen.
Als der Wirt den leeren Teller abholt knurrt aus irgend einem falschen Reflex heraus plötzlich mein Magen und ich sage grinsend "Hunger".




Tag 03, Sonntag-02.09.2012


Heute ist Ruhetag. Meine untrainierten gequälten Beine schreien danach. Zum ersten mal blauer Himmel heute, was die Laune erheblich steigert.

 

 

 

 

 

 

Tag 04, Montag-03.09.2012





Am nächsten morgen erwartet mich das nächste kleine Naturschauspiel. Im gleißenden Morgenlicht ziehen Nebelschwaden über die Saale. In solchen Momenten weiß ich wieder warum ich all den Campingscheiß mitschleppe.
Heute geht es rüber zur Bleilochtalsperre. 45km wieder über großteils Wald- und Schotterwege. Die reinste Berg- und Talbahn, aber landschaftlich wirklich superschön.
Komischerweise kommen mir immer nur Radler entgegen. In meine Richtung fährt anscheinend keiner. Die meisten Radler sind
hier mit leichtem Gepäck unterwegs oder grinsende Rentner die auf ihren E-Bikes die Gegend unsicher machen. Dem nächsten der mich angrinst, während ich den Berg
hochkeuche, baue ich den Akku aus, geschworen.
Kurz vor Saalburg finde ich einen Campingplatz direkt am Bleiloch-Stausee.
Wenn ich die Campingplätze mit Kanada vergleiche, sind die für Leute mit normalen Zelten echt schlecht ausgerüstet. Mehr als ein Stück Wiese und eine Waschgelegenheit
gibt es nicht. In Kanada gab es zumindest überall noch Tische und Bänke. Das ewige Rumgekrieche auf der Erde ist schon nicht so schön und Camingtisch und Stühle wollte
ich eigentlich nicht auch noch aufs Rad binden. WLAN gab es hier auch noch auf keinem Campingplatz, in Kanada selbst im
letzten Winkel Standard. Dort gab es auch meist E-Anschlüsse für Zelte.
Am Abend sitze ich noch im Biergarten der heute geschlossenen Kneipe überm See und bewundere den Sonnenuntergang, der den See langsam über orange nach weinrot und
schließlich tieflila einfärbt.

 

 

 

Tag 05, Dienstag-04.09.2012




Trotz frühem Aufstehen komme ich meist nicht vor 10.30Uhr los. Zeug zusammenpacken, Zelt abbauen und trockenwischen, Fahrrad bepacken.
Frühstück gibt es mittlerweile beim nächsten Bäcker oder Fleischer.
Heute soll es bis auf einen Campingplatz kurz vor Hof gehen. Die übliche Berg- und Talbahn über Waldwege, Schotterpisten und teilweise auch echten Asphalt.
Wobei Asphalt manchmal doch nicht so gut ist. Hinter Saaldorf ist der Radweg 3km lang identisch mit der B90. Links Schutzplanken zur Saale runter, rechts Schiefergebirge
und zwischendrin Brummis die hier mit 120 durchpfeifen. Sobald der nächste Brummifahrer zu hören ist quetsche ich mich mit meinem Rad an den Schieferfelsen rechts und brause
dann mit Höchsttempo weiter, bloß weg hier.
Vorbei geht es an Blankenstein, wo der Rennsteig beginnt, hinein ins blauweiße Bayern. Ich hab Thüringen hinter mir gelassen.
In Joditz campe ich auf einem Campingplatz an einem Auensee. Kurz nach mir kommt noch ein Radler mit vollem Gepäck an.
Der erste den ich auf einem Campingplatz treffe. Peter aus Bochum. Kontakt ist schnell hergestellt, wir scheinen mit vielen Sachen
auf einer Wellenlänge zu liegen. So vergeht der Abend in der hiesigen Kneipe mit viel Gequatsche schnell.
Das hat gut getan nach den letzten einsamen Tagen.

 

 

 

 

Tag 06, Mittwoch-05.09.2012



Am nächsten Morgen geht es für mich nach Hof weiter, was nur 10km sind. Vorbei geht es am Fernwehpark, wo Schilder aus aller Welt zu bewundern sind. Dann suche ich mir erstmal eine Pension wo ich für heute meine Beine erstmal ausruhe und all meine Elektrogeräte wieder aufladen kann. Der Saale Radweg ist für mich hier beendet.


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